Der Haflinger ein lebendes Tiroler Kulturgut

Die historische Entwicklung der Haflinger-Rasse ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie makelloser kaum sein könnte: Einst ein stämmiges Bergpferd, das vorwiegend als Trag- und Zugpferd eingesetzt wurde, hat sich der reingezogene Tiroler Haflinger zu einer absoluten Weltrasse entwickelt, zu einem gesuchten Universal-, Familien- und Freizeitpferd mit positiven Eigenschaften wie ruhiges Temperament, hohe Leistungsbereitschaft, hervorragender Charakter, einem ansprechenden Erscheinungsbild und großer Widerstandsfähigkeit und Leichtfuttrigkeit. Von Tirol aus hat sich der Haflinger von einer lokalen Tiroler Gebirgspferderasse im Laufe seiner Geschichte in heute mehr als 60 Länder auf alle Kontinente verbreitet. Der Haflinger Pferdezuchtverband Tirol gilt als der erste echte Haflinger-Zuchtverband der Welt und das Zuchtbuch in Zams aus dem Jahr 1920 ist das erste Haflinger-Zuchtbuch. Teile davon sind im Haflinger-Museum am Fohlenhof Ebbs ausgestellt. 1946 wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der Verband in Tirol neu strukturiert und mit einem straffen Zuchtprogramm zukunftsorientiert mit genügend Bezug zur Entstehungsgeschichte in Reinzucht zum führenden Haflinger Zuchtverband der Welt weiter ausgebaut.


Der Haflinger Pferdezuchtverband Tirol hat für die Verbreitung der Rasse Haflinger durch den Fohlenhof Ebbs als das Weltzentrum der Haflinger-Zucht gesorgt und der Haflinger wurde zu zu einem Tiroler Kulturgut und zu einem Botschafter des Landes mit unzähligen Stuten und Hengsten aus dem Verbandsgebiet, das heute ganz Westösterreich umfasst und die Bundesländer Tirol, Vorarlberg und Salzburg beinhaltet und vom Österreichischen Gesamt-Haflinger-Bestand mehr als 50 Prozent betreut.

     

                                                 Die Brandzeichen sind Symbole für die Tiroler Haflinger-Zucht.

Der Haflinger ist ein Pferd aus den Tiroler Bergen

Entstanden ist die Rasse im Jahr 1874 mit der Geburt des Hengstes 249 Folie aus einer Tiroler Gebirgspferdestute und einem Araberhengst in den Südtiroler Alpen. Seit damals kann man alle Hengste und Stuten auf diesen ersten eingetragenen Haflinger-Hengst zurückführen. Entgegen vielen Veröffentlichungen in zahlreichen Pferdebüchern hat der Haflinger mit einem Kaltblutpferd keinerlei Verwandtschaft und auch keinen Bezug. Der Ursprung der Rasse ist ein leichtes warmblutähnliches kleines Gebirgspferd. Südlich der Alpen hat es keine bedeutende Kaltblutrasse gegeben und der Noriker war in dieser Zeit, so wie auch heute in der Ursprungsregion Tirol nicht oder nur kaum vertreten. Es ist dies auch verständlich, wenn man die geographischen Gegebenheiten und die Kleinstruktur der Bergbauernhöfe kennt. Dort wäre ein schweres Kaltblutpferd weder zu ernähren gewesen, noch praktisch in der Verwendung im extrem steilen Gelände auf nur wenigen ha großen Höfen. Der Beginn der Rasse weist auch um 1900 ein Größenmaß von über 150 cm und ein leichtes Fundament mit maximal 18,5 Schiene auf. Die Zucht während des Zweiten Weltkrieges machte den Haflinger zu einem kleinen Quadratpferd und mit der Neustrukturierung des Tiroler Verbandes 1946 begann die Umzüchtung wieder hin zum großrahmigen, leichten Rechteckspferd. Diese Typrückkehr wurde von Tirol ausschließlich in Reinzucht durchgeführt, was durch den Ursprungstyp auch möglich war.

Die organisierte Haflinger-Zucht begann im Jahr 1921 mit der Gründung der ersten Nordtiroler Haflinger Pferdezuchtgenossenschaft. Seit damals werden die Haflinger in Hengst- und Stutbüchern lückenlos geführt und müssen im Haflinger Pferdezuchtverband Tirol bis zum Gründerhengst reingezogen sein. Heute gibt es noch alle 7 Blutlinien, auf die sich weltweit die gesamten Haflinger zurückführen lassen.

          

Von Folie stammen diese sieben Haflinger-Hengstlinien ab, von denen fünf Linien auf den Hengst liz. 42 Mandl, geboren 1904 zurückgehen und über diesen von 54 Genter, geboren 1897 einen Folie Sohn. Nur die A-Linie geht über Campi, geboren 1896 direkt auf Folie und die W-Linie über Sarn, geboren 1915, auf 291 Jenner und liz. 252/233 Haflinger auf 249 Folie zurück. Es war daher besonders wichtig, die A-Linie fortzuführen, da sie einen komplett anderen Stamm direkt zum Hengst Folie aufzuweisen hat. Im Schwarzweißbild zu sehen ist der Begründer der heute bedeutensten Blutlinie Anselmo aus dem Jahr 1926. Heute ist die A Linie, vor 50 Jahren fast ausgestorben, die weltweit bedeutendste Hengstlinie, dazu zählt auch der Welt- und Europasiegerhengst 2000, 2003, 2005, 2008 und 2010, liz.200/T Abendstern, im Bild rechts von der Haflinger Europaschau 2008 in Luxemburg zu sehen.

Die Zuchtbücher heute weisen Abstammungen bis zu 20 Generationen auf, für eine junge Rasse ist dies in Reinzucht eine sehr große Stammtafel. Im Jahr 2005 wurden weltweit von zirka 2000 Haflinger-Hengsten schätzungsweise 45.000 eingetragene Stuten gedeckt. Der Weltbestand an Haflingern betrug im selben Jahr nahezu 250.000.
Diese Erfolgszahlen zeigen die Entwicklung von einem kleinen lokalen Gebirgspferd zu einer bedeutenden Weltpferderasse die es auch verdient weiterhin in Reinzucht erhalten zu bleiben und mit Stolz weitergezüchtet und Entwickelt zu werden.

Vom Arbeits- zum Freizeitpferd

Ursprünglich wurde der Haflinger als leichtes Arbeitspferd im Hochgebirge eingesetzt und dort für die Arbeiten am Bergbauernhof verwendet, d.h. einerseits als Tragtier, um entlegene Höfe mit Lebensmitteln aus dem Tal zu versorgen und andererseits als Zugpferd für die Arbeit auf den Gebirgsfeldern und im steilen Wald.

Durch die Motorisierung nach dem 2. Weltkrieg ging diese Verwendung kontinuierlich zurück, auch wenn der Haflinger heute noch für die Versorgung von entlegenen Almhütten, die schonende Holzbringung aus steilen oder weichen Waldgebieten, oder als Tragtier bei verschiedenen Armeen weltweit verwendet wird. Dieser Einsatzbereich ist jedoch sehr beschränkt, so dass für den Haflinger mit seinen hervorragenden inneren Eigenschaften, seiner Ruhe und Gelassenheit, seiner Kinderfreundlichkeit, ein neuer Aufgabenbereich gesucht werden musste.
    

Diese über Generationen gefestigten inneren Werte sind verständlich, wenn man weiß, dass auf den entlegenen Bergbauernhöfen vor 100 Jahren, insbesondere die Jugend oder die ältere Generation die Arbeit am Hof erledigten und die mittlere Generation Arbeiten im Tal verrichtete. Diese Charaktereigenschaften haben sich angeboten, den Haflinger zu einem Freizeitpferd umzuzüchten, was in Publikationen und Büchern des Tiroler Zuchtleiters Otto Schweisgut aus den frühen 50-iger Jahren des letzten Jahrhunderts nachzulesen ist. Der Weg zum vielseitig verwendbaren Reit- und Kutschpferd war ein sehr langer, ist aber heute vom reingezogenen Haflinger in einer einzigartigen Art und Weise vollzogen worden.

 

       

 

Haflinger Zuchtziel

Der Haflinger wird heute als universell verwendbares Freizeitpferd gezüchtet, daher werden insbesondere Eigenschaften für das Reiten und Fahren im Freizeitbereich gewünscht. Aus diesem Grund gilt ein hervorragender Charakter ohne Mängel und ein ausgeglichenes Temperament als besonders wichtig.

 

Erwünscht ist ein harmonischer, für ein Allround-Freizeitpferd geeigneter Körperbau sowie das Erscheinungsbild eines eleganten und dynamischen Pferdes. Hierzu gehören ein trockener und ausdrucksvoller Kopf mit großem Auge und viel Charme. Zuchthengste und -stuten sollen über einen deutlichen Geschlechtsausdruck verfügen. Für die Farbe des Haflingers gelten alle Fuchsfarben vom Lichtfuchs bis zum Kohlfuchs mit lichtem Langhaar als erwünscht.

Kopfabzeichen sollten vorhanden sein, sind aber nicht Voraussetzung. Beinabzeichen sind nicht erwünscht, werden aber entsprechend den Bestimmungen der Welt Haflinger Vereinigung zum Teil ohne Punkteabzüge tolleriert. Die Größe des Haflingers ist von 140 bis 155 cm. Der Kopf soll edel und trocken sein, in der Größe harmonisch zum Pferd passen, der Hals lang genug und leicht. Gesucht ist auch ein markanter, weit in den Rücken hineinreichender Widerrist, sowie eine große, schräg gelagerte Schulter. Der Rücken soll mittellang, elastisch und gut bemuskelt sein sowie in der Bewegung Schwingung, Tragkraft und Gleichgewicht vereinen. Zum Zuchtziel gehört auch eine lange, leicht geneigte, nicht zu stark abgezogene oder  gespaltene, aber kräftig bemuskelte Kruppe.


Das Fundament, soll insbesondere durch eine korrekte Stellung mit klar ausgeprägten Gelenken überzeugen. Der Gang soll korrekt, elastisch und taktrein, ohne gravierende Fehler sein und das Pferd soll über einen möglichst guten Raumgriff verfügen und viel Schwung zeigen. Diesen Typ zeigen in Perfektion die Weltsiegerhengste und -stuten des Haflinger Pferdezuchtverbandes Tirol, wie beispielsweise auf dem Fohlenhof Ebbs, wo viele Gesamtsieger der letzten 20 Jahre zu sehen sind. 4 Generationen von Weltklassehengsten können bei einem Besuch des Fohlenhofes ganzjährig betrachtet werden. Daneben sind einige der besten Stuten der Welt zu sehen und dabei auch 5 Generationen einer Stutenfamilie und viele andere Zuchtsammlungen., darunter auch aktuelle Welt- und Europasiegerstuten. Das Zuchtziel hat sich über Generationen nicht verändert, sondern ist in der Ausrichtung heute fast gleich wie vor 50 Jahren. Sehr wohl verändert hat sich aber das Modell der modernen reingezogenen Haflinger-Pferde, denn im Tiroler Verband kann man heute unzählige reingezogene Haflinger finden die dem Zuchtziel sehr nahe kommen, etwas das es vor 20 Jahren nocht nicht gegeben hat. Der Weg ein Ziel zu erreichen ist of schwer, wenn man dann aber Erfolg, hat und der ist in Tirol in der Breite manifestiert, dann kann der Züchter stolz auf das Erreichte sein, sich nicht zufrieden geben, sondern kontinuierlich weiterentwickeln ist aber auch Aufgabe für die Zukunft. Heute ist der reingezogene Tiroler Haflinger in der Breite deutlich größer, eleganter, charmanter als jeder Gekreuzte und durch die Zuchtkonstanz und das Achten auf Generationen wird dies auch in Zukunft so bleiben.

    

Der Hengst 1074 Student im Jahr 1935 und der Hengst liz.200/T Abendstern im Jahr 2008 als Reitpferde zeigen den Typ in seiner Entwicklung, aber auch die Verwendung des Haflingers bereits vor über 70 Jahren in der gleichen pferdesportlichen Disziplin.