Der Haflinger ein lebendes Tiroler Kulturgut

Die historische Entwicklung der Haflingerrasse ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie makelloser kaum sein könnte: Einst ein stämmiges Bergpferd, das vorwiegend als Trag- und Zugpferd eingesetzt wurde, hat sich der blondschopfige Vierbeiner zu einer absoluten Weltrasse entwickelt, zu einem gesuchten Universal- und  Familien- und Freizeitpferd mit positiven Eigenschaften wie Temperament, Leistung, Charakter, einem ansprechenden Erscheinungsbild und großer Widerstandsfähigkeit.
Von Tirol aus hat sich der Haflinger zu einer lokalen Tiroler Gebirgspferderasse im Laufe seiner Geschichte in heute mehr als 50 Länder auf alle Kontinente verbreitet. Der Haflinger Pferdezuchtverband Tirol gilt als der erste Haflinger-Zuchtverband der Welt und das Zuchtbuch in Zams aus dem Jahr 1920 ist das erste Haflinger-Zuchtbuch. Teile davon sind im Haflinger-Museum am Fohlenhof Ebbs ausgestellt.
Der Haflinger Pferdezuchtverband Tirol hat für die Verbreitung der Rasse Haflinger durch den Fohlenhof Ebbs als das Weltzentrum der Haflinger-Zucht gesorgt und der Haflinger wurde zu zu einem Tiroler Kulturgut und zu einem Botschafter des Landes.

Der Haflinger ist ein Pferd aus den Tiroler Bergen
Entstanden ist die Rasse im Jahr 1874 mit der Geburt des Hengstes 249 Folie aus einer Tiroler Gebirgspferdestute und einem Araberhengst in den Südtiroler Alpen. Seit damals kann man alle Hengste und Stuten auf diesen ersten eingetragenen Haflinger-Hengst zurückführen. 

Die organisierte Haflinger-Zucht begann im Jahr 1921 mit der Gründung der ersten Nordtiroler Haflinger Pferdezuchtgenossenschaft. 
Seit damals werden die Haflinger in Hengst- und Stutbüchern lückenlos geführt und müssen im Haflinger Pferdezuchtverband Tirol bis zum Gründerhengst reingezogen sein. Heute gibt es noch alle 7 Blutlinien, auf die sich weltweit die gesamten Haflinger zurückführen lassen.

Von Folie stammen diese sieben Haflinger-Hengstlinien ab, von denen fünf Linien auf den Hengst liz. 42 Mandl, geboren 1904 zurückgehen und über diesen von 54 Genter, geboren 1897 einen Folie Sohn. Nur die A-Linie geht über Campi, geboren 1896 direkt auf Folie und die W-Linie über Sarn, geboren 1915, auf 291 Jenner und liz. 252/233 Haflinger auf 249 Folie zurück. Es war daher besonders wichtig, die A-Linie fortzuführen, da sie einen komplett anderen Stamm direkt zum Hengst Folie aufzuweisen hat. Heute ist die A Linie, vor 50 Jahren fast ausgestorben, die weltweit bedeutendste Hengstlinie. 

Die Zuchtbücher heute weisen Abstammungen bis zu 20 Generationen auf, für eine junge Rasse ist dies in Reinzucht eine sehr große Stammtafel. Im Jahr 2003 wurden weltweit von zirka 1800 Haflinger-Hengsten schätzungsweise 45.000 eingetragene Stuten gedeckt. Der Weltbestand an Haflingern betrug im selben Jahr nahezu 250.000. 
Diese Erfolgszahlen zeigen die Entwicklung von einem kleinen lokalen Gebirgspferd zu einer bedeutenden Weltpferderasse.

 

Vom Arbeits- zum Freizeitpferd
Ursprünglich wurde der Haflinger als leichtes Arbeitspferd im Hochgebirge eingesetzt und dort für die Arbeiten am Bergbauernhof verwendet, d.h. einerseits als Tragtier, um entlegene Höfe mit Lebensmitteln aus dem Tal zu versorgen und andererseits als Zugpferd für die Arbeit auf dem Feld und im Wald. 

Durch die Motorisierung nach dem 2. Weltkrieg ging diese Verwendung kontinuierlich zurück, auch wenn der Haflinger heute noch für die Versorgung von entlegenen Almhütten, die schonende Holzbringung aus steilen oder weichen Waldgebieten, oder als Tragtier bei verschiedenen Armeen weltweit verwendet wird. Dieser Einsatzbereich ist jedoch sehr beschränkt, so dass für den Haflinger mit seinen hervorragenden inneren Eigenschaften, seiner Ruhe und Gelassenheit, seiner Kinderfreundlichkeit, ein neuer Aufgabenbereich gesucht werden musste. 

Diese über Generationen gefestigten inneren Werte sind verständlich, wenn man weiß, dass auf den entlegenen Bergbauernhöfen vor 100 Jahren, insbesondere die Jugend oder die ältere Generation die Arbeit am Hof erledigten und die mittlere Generation Arbeiten im Tal verrichtete. Diese Charaktereigenschaften haben sich angeboten, den Haflinger zu einem Freizeitpferd umzuzüchten, was in Publikationen und Büchern des Tiroler Zuchtleiters aus den frühen 50-iger Jahren des letzten Jahrhunderts nachzulesen ist. Der Weg zum vielseitig verwendbaren Reit- und Kutschpferd war ein sehr langer, ist aber heute von reingezogenen Haflingern in einer einzigartigen Art und Weise vollzogen worden.

 

Haflinger Zuchtziel

Der Haflinger wird heute als Freizeitpferd gezüchtet, daher werden insbesondere Eigenschaften für das Reiten und Fahren im Freizeitbereich gewünscht. Aus diesem Grund gilt ein hervorragender Charakter ohne Mängel und ein ausgeglichenes Temperament als besonders wichtig.

Erwünscht ist ein harmonischer, für ein universell verwendbares Freizeitpferd geeigneter Körperbau sowie das Erscheinungsbild eines eleganten und dynamischen Pferdes. Hierzu gehören ein trockener und ausdrucksvoller Kopf mit großem Auge mit viel Charme. Zuchthengste und -stuten sollen über einen deutlichen Geschlechtsausdruck verfügen.
Für die Farbe des Haflingers gelten alle Fuchsfarben vom Lichtfuchs bis Kohlfuchs mit lichtem Langhaar als erwünscht.

Abendstern
Kopfabzeichen sollten vorhanden sein, sind aber nicht Voraussetzung. Als Kopfabzeichen bezeichnet man, die von Natur aus vorhandenen weißen Haare auf dem fuchsfarbenen Fell des Kopfes, die bei den verschiedenen Pferden ganz individuell ausgeprägt sind. Die Größe des Haflingers ist von 140 bis 155 cm. Der Kopf soll edel und trocken sein, in der Größe harmonisch zum Pferd passen, der Hals lang genug und leicht. Gesucht ist auch ein markanter, weit in den Rücken hineinreichender Widerrist, sowie eine große, schräg gelagerte Schulter. Der Rücken soll mittellang, elastisch und gut bemuskelt sein sowie in der Bewegung Schwingung, Tragkraft und Gleichgewicht vereinen. Zum Zuchtziel gehört auch eine lange, leicht geneigte, nicht zu stark abgezogene oder  gespaltene, aber kräftig bemuskelte Kruppe.
Das Fundament, als solches bezeichnet beim Pferd die Vorder- und Hintergliedmaßen, soll insbesondere durch eine korrekte Stellung mit klar ausgeprägten Gelenken überzeugen. Der Gang soll korrekt, elastisch und taktrein, ohne gravierende Fehler sein und das Pferd soll über einen möglichst guten Raumgriff verfügen und viel Schwung zeigen. Diesen Typ zeigen in Perfektion die Weltsiegerhengste des Haflinger Pferdezuchtverbandes Tirol auf dem Fohlenhof Ebbs, wo alle Gesamtsieger der letzten 20 Jahre zu sehen sind. 4 Generationen von Weltklassehengsten in direkter Linie können bei einem Besuch des Fohlenhofes ganzjährig betrachtet werden. Daneben sind mit die besten Stuten der Welt zu sehen und dabei auch 5 Generationen einer Stutenfamilie und viele andere Zuchtsammlungen., natürlich auch die aktuellen Welt- und Europasiegerstuten.

 


Zu sehen ist der Haflinger nicht nur überall in den Tiroler Bergen, sondern in seiner täglichen Verwendung und mit viel Information im Zentrum der Welt-Haflinger-Zucht, am Fohlenhof Ebbs



Informationen rund um den Tiroler Haflinger

Haflinger Pferdezuchtverband Tirol
Schloßallee 31,  A-6341 Ebbs

Telefon +43 5373 42210
Fax       +43 5373 42150
info@haflinger-tirol.com